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Die Reise Nach Ohn1.2

Autor: Daniel


S

o langsam nervt mich diese fremde Land. Dabei sind wir nicht einmal eine Woche hier. Aber es hilft ja alles nichts. Wir landen also und errichten ein Lager. Diesmal werden die Reparaturen länger dauern. Unglücklicherweise sind die Bäume hier sehr dünn. Eine kleine Gruppe unserer Crew inklusive Finn, Terp und mir macht sich auf den weg in den Wald. Unser Ziel ist es Bäume zu finden die für die Verarbeitung zu Schiffsplanken geeignet sind.

Wir müssen fast eine halbe Stunde in den Wald stratzen bevor wir endlich etwas Brauchbares finden. Ein Baum von fast zwei Metern Dicke wird soll unser erstes Opfer werden. Ich sage unseren fleißigen Holzhackern, sie sollen schonmal einen Keil in den Baum schlagen während ich mich noch etwas umsehe.
Der Wald hier ist noch unheimlicher als der, in dem wir vor Kurzem waren. Es ist bereits spät und sehr dunkel, was mich für gewöhnlich nicht stört, doch in diesem Wald hilft nicht einmal meine Nachtsicht weiter. Die mächtigen Bäume spannen mit ihren weitreichenden Ästen einen Schirm über den Boden, der sogar das letzte Bisschen Mondlicht daran hindert die Dunkelheit zu vertreiben. Die einzig verlässliche Quelle von Signalen, die sich anschleichende Angreifer verraten könnten sind also Geräusche.

Hinter mir wird die Axt in den Baum getrieben und das Echo des Schlages hallt aus der Dunkelheit zurück. Doch da ist noch etwas! Ein Rascheln! Für gewöhnlich würde mich ein Rascheln in einem Wald nicht sonderlich stören doch dieses ist anders. Es scheint sich irgendwie um uns zu bewegen. Als ich mich in diesem Moment für verrückt erkläre weiß ich noch nicht, welche Begegnung mir bevor steht.

Ich gehe einen Schritt in die Richtung aus der das Rascheln kommt und schaue gespannt in die Dunkelheit. Das Rascheln verstummt. Ein weiterer Schritt. Das Licht unserer Fackeln reicht nicht aus, um den Bereich vor mir zu erhellen. Noch ein Schritt. Alles ist still.
Plötzlich kommt aus der Dunkelheit langsam die Spitze eines hölzerner Speeres zum Vorschein. Als der Besitzer dieser Waffe aus langsam sichtbar wird traue ich meinen Augen nicht. Es ist eine Pflanze! Zwar kann ich humanoide Züge wie Gliedmaßen und ein Gesicht erkennen, doch alles andere scheint pflanzlich zu sein.

Dieser ... Pflanzenmensch macht merkwürde klickende Laute und weitere dieser Wesen treten aus der Dunkelheit. Wir werden umzingelt und zücken unsere Waffen. Eine dieser Gestalten fällt mir besonders auf. Sie ist griößer als die anderen und hält einen Stab in der Hand. Genau dieses Gewächs kommt auf mich zu und macht ähnlich klickende Geräsche, allerdings mit einem etwas ruhigerem Unterton.

Ich deute dieses Klicken als Zeichen einer Kommunikation und antworte:

"Wir können euch nicht verstehen."

Der Pflanzenmensch fasst sich nachdenklich ans Kinn und antwortet etwas unverständlich aber immerhin auf Throalisch:

"Wer seid ihr und warum greift ihr unsere Freunde an?"

"So wie ich das sehe sind wir hier nicht die Angreifer!", behaupte ich großkotzig und überzeugt. Er deutet hinter mir auf den Baum, der kurz vor seinem Fall steht. Verdammt! Ich überlege kurz, wie ich das rechtfertigen soll. Zu sagen, dass wir das Holz für unser Schiff brauchen, das aus jeder Menge seiner toten Kollegen besteht halte ich für keine gute Idee.

"Wir kommen aus Barsaive... und um ehrlich zu sein, solche Leute wie euch haben wir noch nie gesehen. Seid ihr Namensgeber?"

"Ja wir sind Grünlinge."

Es entsteht eine kurze Unterhaltung in der die Frage geklärt werden, die in solch einer Situation auftreten. Dabei formuliere ich unseren Luftschiffabsturz mit "Wir sind hier gestrandet.". Danach kommt er auf die Sache mit dem fast gefällten Baum zurück.

"Ihr habt einen unserer Freunde schwer verletzt. Nun muss einer von euch dafür gerade stehen."

Ich seufze leicht und melde mich freiwillig dafür. Der Grünling geht mit uns zu dem entsprechenden Baum, deutet auf auströmendes Harz und zieht eine Klinge.

"Gebt mir euren Arm."

Ich denke ich weiß was er vorhat. Da ich schon sehr viel schlimmere Verletzungen hatte sehe ich die Strafe gelassen und halte ihm meinen Arm hin. Er zieht mich näher zu dem Baum.

"Euer Blut für seine Heilung."

Blitzschnell schlitzt er mit der Klinge meinen Arm von oben nach unten auf. Ist der Irre? Ich sehe wie das Blut aus der Öffnung schießt. Er reißt mich nach vorn und hält meinen Arm an die in den Baum geschlagene offene Stelle. Ich bin zu überrascht um mich zu wehen. Ein brennender Schmerz durchfährt meinen gesamten Arm, sodass ich mir ein Schreien nicht verkneifen kann. Als ich auf die Wunde sehe erkenne ich, wie mein Arm mit dem Baum zu verschmelzen und hölzern zu werden scheint. Es fühlt sich an als würde mein gesamtes Blut aus dem Körper gesaugt werden. Ich sehe noch wie sich die im Stamm fehlenden Stellen wieder füllen bevor ich ohnmächtig werde.

Ich öffne die Augen. Über mich gebeugt sehe ich meine Kameraden und einige der Grünlinge. Terp hilft mir zurück auf die Beine. Ich schaue mir den Baum an. Die 'Wunde' hat sich perfekt geschlossen und der Stamm sieht aus wie neu. Voll freudiger Erwartungen hebe ich den Arm um zu sehen wie toll meine Verletzung wohl verheilt sein möge. Eine riesig große Narbe und der mir darauf bewusst werdende Schmerz dämpfen meine Freude etwas. Der Grünlingchef hingegen lächelt mich an und bedankt sich.

Zum Dank möchte er uns mit unserem Schiffsproblem helfen. Während meiner Ohnmacht scheint er genaueres über unsere Lage und unser Luftschiff erfahren zu haben. Wie lang war ich wohl weggetreten? Da wir Finn dabei haben, ich aber nach der Ohnmacht noch all mein Geld habe kann es nicht so lang gewesen sein.

Die Grünlinge und unser kleines Team gehen zurück durch den Wald in Richtung unseres Schiffes. Durch Unterhaltungen lernen wir uns immer besser kennen. Grünlinge sind eine Namensgeberart, die in Barsaive nicht üblich ist. Deshalb wussten wir nicht, womit wir es zu tun haben. Sie sind friedlich und machen darüber hinaus noch einen sehr freundlichen Eindruck (wenn man nicht gerade ihren Wald abholzt). Einige der Grünlinge, die nicht an der Unterhaltung teilnehmen, tanzen etwas vor uns durch den Wald. Ich hatte es mir direkt gedacht. Das sind Hippies!

Nach einigen Minuten sind die Tänzer bereits außerhalb unseres Sichtfeldes. Sie müssten inzwischen an den Waldrand gekommen sein und unser Schiff sehen können. In dem Moment höre ich das Donnern einer Kanone. Na das hätte ich mir auch denken können. Unser irrer Bordschütze Miska hat diese grünen Gestalten aus dem Wald tanzen sehen und natürlich das Feuer eröffnet! Das wird nicht gut ankommen bei unseren neuen Freunden. Ich laufe schnell durch den Wald um Schlimmeres zu verhindern.

Nach kurzer Strecke sehe ich Shania, die sich für einen Angriff auf weitere der Grünlinge bereit macht. Ich laufe auf sie zu und rufe ihr ins Gesicht, dass keine Gefahr besteht. Aber da habe ich mich wohl geirrt. Shania reagiert nicht im Geringsten auf mich und scheint durch mich durch zu sehen. Plötzlich fokussieren ihre Augen mich mit einem wahnsinnigen Blitzen. Sie zieht ihre Waffe und schmettert mich zu Boden. Ich bin selbstverständlich total überrascht und geschockt.

Am Boden liegend sehe ich, wie Shania von Finn umgeworfen wird. Ich stehe auf. Shania versucht Finn von sich zu werfen und schlägt wild um sich, als wäre sie nicht sie selbst. Der Anführer der Grünlinge geht mit ausgestrecktem Arm auf die beiden zu. Bei ihnen angekommen beugt er sich hinunter und legt seine Hand auf die Stirn der Wahnsinnigen. Sie wird ruhiger. Der Grünling richtet sich auf und flüstert kaum hörbar: "Ein Dämon."

Auf einmal brummt ein lautes Drohnen gefolgt von einem kalten Windzug durch den Wald. Aus Richtung unseres Lagers ist panisches Getöse zu hören. Unsere kleine Gruppe läuft gesammelt und kampfbereit aus dem Wald. In unserem Lager wütet eine dunkle, knapp fünf Meter große Gestalt mit langen knorrigen Klauen. Die Crew bekämpft das Biest mit großen Speeren, doch kann dieser Kraft kaum etwas entgegensetzen.

Miska steht auf der Reling des Schiffes und feuert einen gezielten Pfeil in den Rücken des Monsters. Dieses schreit auf und dreht sich um. Eine der Klauen des Biestes rast nach vorn und durchbohrt den Hals des Schützen. Kein schöner Anblick. Er wird in die Luft gerissen und zappelt an der Klaue. Scheinbar hat der dünne Dorn weder Luftröhre noch Hauptschlagader getroffen, denn Miska ist immernoch bei Bewusstsein.

Wir stürmen los um unseren Kameraden zu helfen. Ich versuche die Klaue die Miskas Hals durchbohrt hat zu zerbrechen. Leider war mein Schlag nicht kräftig genug um ausreichend Schaden anzurichten. Die Vibration die so in der Kralle entstanden ist verursacht bei unserem Schützen große Schmerzen und er schreit auf. Hoppla!
Terp hingegen hat mehr Glück. Mit seiner großen Kraft und der geschärften Axt schafft er es das Mordinstrument vom Dämon abzutrennen und den Miska zu befreien.

Es gelingt mir das Monstrum durch einen Schlag gegen das Bein ins Wanken zu bringen. Wütend fährt mein Gegner seine knochigen Pranken nach mir aus und treibt mir seine Klauen mitten in die Brust.
Ich atme unter dem Druck der in meinem Torso erzeugt wird einmal stöhnend aus. Es ist, als würde mich jegliches Leben mit diesem Atemzug verlassen. Ich falle zwar auf den Boden aber fühle den Aufprall nicht mehr. Der Lärm um mich herum wird schnell dumpf und verstummt letztlich total. Ich habe die Augen geöffnet, doch was ich sehe wirkt nur wie ein Bild von dem ich mich immer weiter weg in die Dunkelheit bewege. Sterben ist ein sehr einsamer Prozess.

Gerade ist alles um mich herum dunkel geworden, da kommt ein Gefühl zurück. Ich falle. Eine dunkle dämonische Stimme sagt zu mir: "Du bist mir zum Opfer gefallen. Nun kann dich nicht einmal der Tod vor mir retten." Diese Worte lösen die größte Angst in mir aus die ich je empfunden habe. Ich fange an zu schreien. Die Stimme lacht boshaft.
Plötzlich höre ich einen vertrauten Klang. Ein bassiges, surrendes Dröhnen durchfährt die Dunkelheit. Es ist die tiefe E-Saite meiner Gitarre. Eine hallende Stimme mit ähnlichem Klang spricht hämisch: "Nein! Er wird heute nicht sterben. Und niemals wird er dir gehören. Ich habe bereits andere Pläne mit ihm."

Daraufhin habe ich das Gefühl durch eine starke Wasserströmung gerissen zu werden. Irgendwo hinter mir schreit die dämonische Stimme noch laut: "Nein!" Ich erkenne jenes Bild, dass ich als meine Wahrnehmung verabschiedet hatte. Mit rasender Geschwindigkeit bewege ich mich darauf zu. Mein Körpergefühl kommt zurück. Ich bin wieder in dem Lager in dem ich dachte gestorben zu sein. Eine unsichtbare Kraft zieht mich am Arm hoch. Ich stehe wieder aufrecht. Meine Gitarre ist ungewöhnlich warm.

Ich stehe wie angewurzelt auf der Stelle und erkenne noch, wie Finn und die anderen den Dämon überwältigen und zu Fall bringen. Was gerade passiert ist, sollte ich besser vorerst für mich behalten. Die Diskussionen über den dämonischen Ansatz meiner Gitarre spaltet ohnehin schon unsere Gemüter.

Der Dämon ist besiegt und ich erkläre meine Genesung mit einer Heiltrankflasche, die günstig zerbrochen ist und sich so über meine Wunde ergoss. Zugegeben nicht die beste Idee, aber etwas besseres konnte ich wirklich nicht plausibel machen.

Der Häuptling der Grünlinge ist sehr dankbar für die Hilfe beim Erlegen des Dämons. Er hatte wohl bereits früher schon versucht, den Wald zu terrorisieren. Zur Belohnung nutzt der Häuptling seine Magie um die Löcher unseres Luftschiffs wieder zuwachsen zu lassen. Die Struktur an diesen Stellen ist nun stärker als je zuvor.

Trotz des guten Ausgangs dieser Ereignisse kann ich mich nicht richtig freuen. Was ich erlebt habe sitzt mir noch tief in den Knochen. Die dämonische Macht meiner Gitarre kann ich nun nicht mehr abstreiten. Doch was hat sie damit gemeint, als sie sage, sie hat bereits Pläne mit mir? Bin ich der ewigen Knechtschaft eines Dämons entgangen und unbewusst und ungewollt in die Knechtschaft eines anderen geraten?

Ich wusste zwar, diese Reise würde nicht einfach werden, doch nun fühle ich mich auf einer tief persönlichen Ebene angegriffen, auf der es mir schwer fällt mich zu wehren.

Mit diesen Gedanken erhebe ich das Luftschiff aus den Wald und fliege weiter in dieses fremde Land, welches vielleicht Gefahren für uns bereit hält, mit denen wir vorher nicht ansatzweise gerechnet haben.

Die Reise nach Ohn 1
Die Reise nach Ohn 1.1
Die Reise nach Ohn 1.2
Die Reise nach Ohn 2
Die Reise nach Ohn 3
Die Reise nach Ohn 3.1
Die Reise nach Ohn 4
Die Reise nach Ohn 5
Die Reise nach Ohn 5.1





letzte Änderung 28-Aug-2010 17:55:24 MESZ von Daniel.



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