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Ein Denkmal Teil1

Wie alles begann...

E

s war fast wie in einer dieser ellenlangen Balladen, die manche Troubadoure so von sich geben: eine Gruppe von Adepten, die sich nicht kennen, trifft zusammen, säuft, labert dummes Zeug und bricht schliesslich mit einem harmlosen Auftrag auf.
Und genau so war es tatsächlich. Ich kam nach langer Reise schliesslich in Kratas an und strandete in einer Taverne, deren Name mir partout nicht mehr einfallen will. Ist aber auch egal. Der Schankraum jedenfalls war brechend voll, Platz fand ich nur an einem Tisch, an dem bereits ein Troll, eine Ork und eine T'Skrnag saßen. Da ich keine Lust hatte, Essen und Bier im Stehen zu mir zu nehmen, setzte ich mich auf den einzigen noch freien Stuhl, der, wie das Schicksal es wollte, halt bei diesen Leuten war.
Zumindest handelte es sich um Adepten. Der Troll war Bogenschütze und nannte sich Asak Talad, die Ork war eine Scout und hörte auf den Namen Kiwa Thar, und die T'Skrang stellte sich mit Vierna vor und sagte, sie sei eine Kriegerin. Nun gut, stellte ich mich halt auch noch vor.
Und wie das halt so ist: je später der Abend und je mehr Alkohol wir intus hatten, desto besser verstanden wir uns. Gut genug, um auf den Trichter zu kommen, den Troll nach Travar zu begleiten, wo er eine Nachricht abliefern sollte. Mit diesem Entschluess fest verankert brachen wir nach ein, zwei Stunden Schlaf schliesslich zum Luftschiffhafen auf, wo wir und auf die Schnelle Königin begaben. Kapitän Korugal, ein Ork, sah uns nicht gerade erfreut an, denn Passagiere mochte er an Bord nicht sonderlich gerne - die meisten Leute standen ja auch immer im Weg.
Wir brachten unsere Plünnen in die uns zugewiesene Kabine, die für vier Mann, einen Troll inklusive, eigentlich zu klein war. Deshalb einigten wir uns darauf, in Schichten zu schlafen, was vermutlich auch besser so war.

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ie Reise nach Travar verlief ohne Probleme, und als die Schnelle Königin sicher vertäut war, verliessen wir das Luftschiff schnellstmöglich. Und tatsächlich wurde Asak bereits erwartet. Da wir offenbar zu ihm gehörten, sagte niemand etwas, sondern unsere Gruppe wurde ohne Umwege direkt zum Senatsgebäude geführt, wo man uns schliesslich zu einem Senator Keldar brachte.
Dieser schien Asak zu kennen, grüßte aber auch Kiwa, Vierna und mich recht freundlich. Der Senator las die Botschaft sorgfältig durch und gab uns dann den Befehl, uns so schnell wie möglich auf den Weg nach Urupa zu machen und dort auf weitere Anweisungen zu warten. Doch zuvor sollten wir in einer der zahlreichen Tavernen noch jemanden abholen, der ebenfalls ein alter Bekannter von Asak sein sollte.
Wir folgten Asak, der sich hier in Travar offenbar ziemlich gut auskannte. Als wir die vom Senator genannte Taverne gefunden hatten, liess sich jedoch die Türe nicht öffnen. Asak schüttelte verständnislos den Kopf und rammte die Tür schliesslich mit seinem nicht unbeträchtlichen Kammpfgewicht. Ein lautes Knacken und Knirschen war zu hören, und als der Troll die Tür dann einen Spalt weit aufgedrückt hatte, sahen wir, dass der Wirt aus gutem Grunde einen Stuhl unter die Türklinke gestellt hatte. In der Taverne wurde kräftig gefeiert, offenbar hatte jemand die wohl größte Lokalrunde aller Zeiten geschmissen.
Asak ist nicht eben unauffällig, denn er ist, was ich hier noch schnell erwähnen möchte, ein Albino. Das war aber wohl auch der Grund dafür, dass der Wirt, der selbst schon sternhagelvoll war, ihn sofort erkannte, als sich der Troll in den völlig überfüllten Schankraum zwängte. Wir anderen waren ihm gefolgt und profitierten davon, dass Asak durch die Menge pflügte.
Unser Troll fragte schliesslich nach seinem alten Freund, einem Elfenkrieger namens Iis. Der Wirt torkelte los, um besagten Elfen zu holen und kehrte Minuten später mit diesem wieder zurück.
Einen solchen Elfen hatte ich bis dahin noch nie gesehen! Seine perlweisse Haut wies zahlreiche Narben auf, was bei uns Elfen eine echte Rarität darstellt, sein Schädel war komplett geschoren, dafür aber mit diversen Tättowierungen verziert, die Hälfte seines linken Ohres fehlte, und seine glühend roten Augen machten ihn auch nicht sympathischer.
Er begrüßte Asak freudestrahlend, dann musterte er uns Neulinge. Als er mich sah, wurde sein Blick direkt noch frostiger. Offenbar hatte er etwas gegen Zauberkundige, möglicherweise auch nur gegen Geisterbeschwörer. Aber zumindest stellte er sich uns als Iis Mörderelf vor.
Ich muss ganz ehrlich gestehen: ich mochte diesen Iis nicht, und es zeigte sich recht schnell, dass dies wohl auf Gegenseitigkeit beruhte. Nun, wie auch immer, gemeinsam brachen wir dann wieder zum Luftschiffhafen auf und gingen bei alten Bekannten an Bord: der Crew der Schnellen Königin. Immerhin wussten wir ja mittlerweile, wo wir uns an Deck herumtreiben konnten, ohne der Mannschaft im Wege zu sein.
Der erste Tag der Reise nach Urupa verlief ruhig, doch am zweiten gab es zum ersten Mal Unruhe. Grund dafür war ein dunkler Punkt am Himmel, der sich uns ziemlich schnell näherte. Wie sich schliesslich herausstellte, handelte es sich um einen Drachen, der sich den Spaß gönnte, eine Weile neben unserem Schiff herzufliegen und uns alle zu mustern, ob wir wohl als Snack tauglich wären. Es gab an Bord nur drei Leute, die die Ruhe selbst waren, während der Rest kreidebleich und mit großen Augen den Drachen anstarrte. Diese Personen waren der Steuermann der Schnellen Königin, Asak und Iis.
Der Drache verlor aber schliesslich sein Interesse an uns, und mit ein paar gewaltigen Flügelschlägen brachte er sich ausser Sichtweite. Erleichterung machte sich breit. Der Rest des Tages lief wieder ruhiger ab, obwohl der Drache natürlich das Gesprächsthema war.

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afür wurden wir am Morgen des dritten Tages ziemlich lautstark geweckt. "PIRATEN!" schallte es, und auch wir sprangen aus unseren Hängematten. Bei einem Piratenangriff war in der Regel jede Waffe willkommen. Also stürmten wir an Deck und bereiteten uns auf den Kampf vor. Als das Piratenschiff erkannt wurde, wurden die meisten Leute an Bord kreidebleich um die Nasen, denn es handelte sich um die Blutiger Kiel, die offenbar berühmt berüchtigt war. Das sagte zumindest Asak, und da er weit erfahrener war als ich oder Kiwa oder Vierna, glaubten wir ihm das.
Mit Luftpiraten hatte ich noch nie zu tun gehabt, und dementsprechend nervös war ich. Doch ich beruhigte mich wieder, als ich sorgfältig meine Zauber wählte. Und schliesslich war der Moment X gekommen, die Luftpiraten enterten mit fürchterlichem Gebrüll.
Ich setzte mich mit einer guten Mischung aus Magie und Waffe zur Wehr, wäre aber wohl doch noch getötet worden, wenn Iis nicht eingegriffen und mir meine Gegner abgenommen hätte. Dennoch war ich mit dem Ergebnis zufrieden, auch wenn ich nun deutlich gemerkt hatte, dass ich noch viel zu lernen hatte.
Die Piraten konnten schliesslich besiegt und vertrieben werden, und deren Schiff verhielt sich nun eher wie ein schwerfälliger Lastkahn, da es einiges an Beschuss abbekommen hatte.
Kapitän Korugal jedenfalls war vollauf zufrieden, und bevor wir die toten Piraten entsorgten, plünderten wir sie noch ein wenig. Unsere Barschaft war eh ziemlich mickerig gewesen...
Zwei Tage später erreichten wir um die Mittagszeit Urupa, wo sich der Kapitän von jedem von uns per Handschlag verabschiedete und meinte, dass wir jederzeit wieder mit ihm reisen dürften. Offenbar hatten wir Eindruck gemacht.

W

ir wurden bereits erwartet. Ein Ork-Steppenreiter stand da und kam schliesslich auf uns zu. Er überreichte Asak ein Schreiben, welches dieser entrollte. Während der Troll es durchlas, stellte sich uns der Ork als Teru vor, und da wir ja auch höflich veranlagt waren, stellten wir uns halt auch noch vor.
Dann meinte Asak: "Dieser Brief hier ist von Siris, einer verbündeten T'Skrang-Händlerin aus Märkteburg. Sie schreibt, es wäre besser, wenn wir Märkteburg fürs erste meiden sollen."
"Nun, ich hab damit kein Problem", kommentierte Iis. "Ich habe hier eh noch was zu tun."
Wir suchten uns erst einmal eine Taverne, und da die Hafenarbeiter uns das Long Mong empfohlen hatten, begaben wir uns dort hin. Iis kam aber nicht mit rein, sondern verzog sich wortlos und tauchte im Gewühl unter.
Also betraten wir die Taverne ohne Iis, worüber ich nicht unglücklich war. Der Wirt jedoch war eine Überraschung. Folgendes Bild: ein Troll, fast drei Meter groß, entsprechende Statur - lispelnde Fispelstimme...
Mal ehrlich! Wer da nicht Probleme mit der Selbstbeherrschung kriegt, kann nicht normal sein. Wir alle taten uns schwer damit, nicht zu lachen, doch Vierna und ich kämpften vergebens. Zwar versuchten wir, den drohenden Lachanfall als Hustenanfall zu tarnen, doch ohne Erfolg. Die Folge war, dass wir beide, zumindest für die erste Nacht, den fünffachen Preis zahlen durften...
Als der Wirt sich dann mit Long Mong vorstellte, trat Asak ins Fettnäpfchen. "Genau wie diese Taverne!"
"Willste mich verarschen?" Der Wirt stemmte seine Fäuste in die Hüften, und Asak, der normalerweise kein Weichei war und bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit Paroli bot, zog den Kopf ein. "Hab's nich so gemeint", murmelte er.
Der Rest des Gesprächs verlief jedoch wieder in seichteren Gewässern, und jeder von uns erhielt ein Einzelzimmer. Wir brachten unsere Plünnen in die Zimmer und liessen uns dann im Schankraum nieder. Wir bestellten etwas zu trinken und unterhielten uns, bis schliesslich Iis kam.
Der Wirt war bereits informiert, dass wir noch jemanden erwarteten. Iis sah zum Glück unsere warnenden Blicke und Gesten, so dass er weder auf die Stimme des Wirts, noch auf dessen Namen reagierte, und schliesslich kam der Krieger an unseren Tisch, wo er erstmal aufgeklärt wurde.
Spöttisch sah er Vierna an, mich jedoch unverhohlen Schadenfroh, dass wir beide einen gesalzenen Preis hatten latzen dürfen. Nun ja, über vergossene Milch soll man nicht jammern, passiert war passiert.
Am Abend zog es Asak noch zum Hafen, doch er kehrte schliesslich wieder zurück und brummte nur, dass hier nix los wäre.
Eine Weile später zogen wir uns in unsere Zimmer zurück, Teru hingegen ging zu den Ställen, wo sein Pferd und sein Hund untergebracht waren.

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m folgenden Morgen trennte sich Iis wieder von uns, und wir anderen, jetzt wieder mit Teru, der zum Frühstück zu uns gestoßen war, beschlossen, die Bibliothek aufzusuchen. Wir suchten nichts bestimmtes, ausser mir vielleicht, doch es war nichts dabei, was brauchbar gewesen wäre. Und das, was interessant gewesen wäre, war schlicht unerschwinglich für uns. Also standen wir schliesslich auf dem Marktplatz und überlegten, was wir tun konnten. Uns war jetzt schon langweilig in Urupa...
Kiwa und Vierna kamen zu dem Schluss, Teru zu seinen Tieren begleiten zu wollen, doch Asak und ich hatten da keine Lust zu. Also zogen der Troll und ich ein wenig durch die Straßen, wobei wir keine Probleme damit hatten, uns die Straßenkinder vom Hals zu halten.
Irgendwann landeten wir dann im Hafen, und Asak meinte: "Siehst du das fremdländische Schiff dort vorne? Das hab ich gestern schon gesehen, aber es wurde schon dunkel. Ich wollte mir das Ding mal bei Tag ansehen. Kommste mit?"
"Klar", gab ich mit einem Schulterzucken zurück. "Einer muss ja auf dich aufpassen..." Ich grinste den Troll an, und Asak grinste tatsächlich zurück. Gemeinsam setzten wir uns in Bewegung.
Wir begutachteten das Schiff, doch das schien den vier orkischen Wachen nicht zu passen. Doch erst, als der Anführer dieser Wachen Verstärkung in Form von fünf Trollen und einem Menschen heran winkte, hatte Asak ein Einsehen und blies zum taktischen Rückzug.
Was mich ungemein tröstete: auch Iis hatte an diesem Tag keinen Erfolg gehabt und war am Abend ziemlich stinkig.

W

ie schon am Vortag verschwand Iis nach dem Frühstück wieder wortlos, diesmal jedoch fragte er den Wirt zuvor etwas. Der Rest von uns zog wieder durch die Straßen. Und die Langeweile war fast schon unerträglich. Was fanden die Leute nur so faszinierend an Urupa?
Doch während wir so durch die Straßen schlenderten, bemerkte ich, dass wir verfolgt wurden. "Mädels, wir haben Gesellschaft", sagte ich nur.
Kiwa drehte sich abrupt um und konnte den Verfolger tatsächlich noch kurz sehen. Doch der verschwand wieselflink in einer Seitengasse. "Du hattest recht", knurrte sie. "Wir wurden tatsächlich verfolgt. Ich denke, wir sollten Iis aufsuchen und hn informieren."
Keiner von uns widersprach, und so kehrten wir zu unserer Taverne zurück, wo Iis bereits missmutig herumhockte. Schnell wurde er informiert, doch offenbar schien er uns nicht ernst zu nehmen. Zumindest so lange nicht, bis Kiwa etwas einfiel: "Erinnerst du dich noch an diesen Zwerg neulich abends im Schankraum? Den, der so große Augen gekriegt hat, als er uns sah?"
Das stimmte, doch ich muss gestehen, dass ich das glatt vergessen hatte. Aber auch Iis erinnerte sich, wie ich seinem Blick entnahm. "Wir stehen unter Beobachtung", meinte ich nur.

To be continued...





letzte Änderung 21-Mai-2007 21:11:29 MESZ von unknown.



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