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Ifriitas

Autor: Lorwig


I

ch bin Ifriitas al'Ghul und wem mehr Sprachen geläufig sind, als dieses lächerliche Zwergisch, wird meinen Namen übersetzen können und mich fürchten lernen.

Geboren wurde ich in dem Kaer Dornenwand, einem Ort der Unterdrückung, Sklaverei und der Heimtücke. Einige Jahre nach dem Bau des Kaers, unter der Führung des zwergischen Baumeisters Kurom Eisenschlags, als die Bevölkerung langsam überhand nahm, schwang sich eben dieser Zwerg zu einem wahren Tyrannen und Diktator auf. Nur zu unserem besten durften wir nun in den Mienen, den Steinbrüchen und den Pilzfeldern schuften, während es sich dieser Mistkerl gutgehen ließ. Bald wurden die sogenannten "Gewandeten" gegründet, eine Gruppe von rotberobten Speichelleckern und rückradlosen Opportunisten, die sich als Privatwache ihres Herrschers aufspielten um in seinem Namen andere Kaerbewohner zu unterdrücken und ihre perversen Machtfantasien auszuleben. Außerdem wurden schnell alle Adepten verboten, als der Unmut in der Bevölkerung stieg und ein Aufstand zu befürchten war. Die schon vorhandenen, wurden plötzlich krank und in das ominöse Krankenlager gebracht, einem abgelegenem Teil von Dornenwand, dessen Zutritt allen anderen strengsten untersagt wurde, um eine mögliche Ansteckung an eine tödliche Krankheit zu verhindern. Wer's glaubt...

In eben dieser Zeit wurde ich nun geboren. Mein Vater war der Geisterbeschwörer Mal'Ganis, der, wie viele der noch lebenden Adepten, seine Fähigkeiten verbarg und nur in aller Heimlichkeit ausführen konnte. Meine Mutter, Frapora, war eine ganz normale Frau, von geringem Geiste und noch kleinerem Horizont. Um es kurz zu machen; mein Vater war ein Sadist, wie er im Buche steht. Schon von Geburt an schikanierte er mich und setzte mich Qualen aus, um mir die, wie er mir immer wieder sagte, notwendige Willenskraft zu verschaffen in dieser Welt zu überleben und mir den nötigen Respekt ihm gegenüber einzubleuen. Mit vier Jahren tat meine Mutter etwas, von dem ich noch heute nicht genau weiß, was es war. Ich entsinne mich nur entfernt an einen nächtlichen Marsch durch verlassene Tunnel und das Erscheinen einer so widerwertigen Kreatur, dass sich der Geist eines kleinen Jungen noch heute weigert sich daran zu erinnern. Als ich am nächsten Tag erwachte war ich nicht mehr in der Lage zu sprechen, ohne dabei so grauenhafte Töne von mir zu geben, dass sich alle um mich herum unter höchste Qualen am Boden wanden. Meine Mutter verbot mir nun zu sprechen und brachte mir die geläufige Zeichensprache der Arbeiter im Kaer bei, während sich mein Vater über meinen Zustand zu amüsieren schien. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass ich als Kind nicht viele Freunde hatte. Wer will schon mit einem Stummen spielen? Und die wenigen mit denen ich noch Kontakt pflegte wurden von meinem Vater vergrault. Ich sollte lernen, dass man im Leben immer allein ist. Wer keine Freunde hat kann auch nicht verraten werden. Wenn ich an ihn und meine Mutter denke, stimmt das vielleicht sogar. Ich weiß nicht warum meine Mutter damals so handelte, doch ich vermute sie trug die ganze Zeit einen verborgenen Groll gegen mich, da ich der lebende Beweis war, dass sie sich erneut der krankhaften Geilheit dieses Bockes hingegeben hatte. Ihr erstes Kind, ein Junge, war bereits bei der Geburt gestorben und sie hatte dies wohl als Zeichen sehen sollen. Als eine letzte Warnung, sich von diesem Mann zu trennen.

Eines Tages zeigten sich auch bei mir die ersten Anzeichen von Adeptenkräften. Nun erst begann mein wirkliches Martyrium, das mein Vater Ausbildung nannte. Wenn ich zaubern sollte, musste ich dabei glühende Kohlen in den Händen halten oder mein Vater sprang plötzlich unerwartet vor, um mir mit einer Kerze die Haut zu versengen oder mit einer Nadel in den Rücken zu stechen. Und wehe ich verlor nun die Konzentration und ließ dadurch den Zauber misslingen. Heftige Schläge mit Gerte und Knüppel waren die Antwort auf Versagen. Zeitweilig sperrte er mich in ein finsteres Kellergemach, wo ich manchmal tagelang ohne Nahrung und Wasser auskommen musste, und mich an die Dunkelheit gewöhnen sollte. Irgendwann ging er dazu über mich noch mit Kakerlaken und anderem Ungeziefer zu überschütten, bevor er den steinernen Deckel über den Ausgang meines Gefängnisses schob. Anfangs versuchte ich noch die Käfer zu zerquetschen oder sie unter einem widerwärtigem Knacken zu zerbeißen, wenn wieder eines der Tier in mein Mund kroch. Aber nach einiger Zeit gefiel mir das Gefühl der suchenden und tastenden Insektenbeinen auf meiner Haut. Es kam mir vor, als streichelten sie mich, etwas, dass in meiner Familie nie vorgekommen war. Bald sehnte ich mich sogar nach diesen Tagen in meinem finsteren Loch, wo ich mit Kakerlaken einschlief und mit Spinnen erwachte, die mir von nun an Freunde und Begleiter wurden. Meine Ausbildung schritt währenddessen weiter voran. Bald hatte ich alle Zauber gemeistert, die mir mein Vater lehrte und eine eiserne Willenskraft aufgebaut, die mich jeden Schmerz und jede Qual unterdrücken ließ. Meine Abschlußprüfung war ein Gefecht mit einem von meinem Vater beschworenem Kadavermensch, dem ich nur mit meiner Zauberkraft und meinem Intellekt entgegentreten durfte. Der Kampf fand ich einem alten aber unbewohnten Teil des Kaers statt, um keinen zufälligen Beobachter auf uns aufmerksam zu machen. Ich schaffte diesen Gegner mühelos, doch plötzlich tauchten drei Ghule auf, die sich wohl in einem Nebengang verborgen hatten. Während sich mein Vater mit einer gelangweilten Geste zweien der Kreaturen zuwandte, überließ er den dritten mir. Ein Fehler... Ich wirkte einen sogenannten Knochentanz um so die Bewegung des Ghuls zu kontrollieren, ein gängiger Zauber, bei dem mein Vater keinen Verdacht schöpfte. Von ihm unbemerkt setzte ich meine Schritte so, dass ich mich ihm langsam von hinten näherte, während ich gleichzeitig den Ghul auf uns zubewegen ließ. Urplötzlich ließ ich den Zauber von der Kreatur fallen, machte einen Schritt bei Seite und das Monster hatte den Weg frei meinem Vater in den Rücken fallen zu können. Zu spät bemerkte dieser den Angriff und musste mehrere heftige Schläge einstecken ohne sich dagegen wehren zu können. Im letzten Moment tötete ich den Ghul mit einem Geisterpfeil. Ich brachte meinen schwerverletzten Vater, der sich auf mich stützten musste nach Hause, ohne dass er mein diabolisches Lächeln auf meinen Lippen sah. Zu Hause schafften wir meinen Vater aufs Bett, wo er sich bald erholen würde. Hier überreichte er mir die Belohnung für meine Ausbildung. Eine kleine Statuette aus blutrotem Gestein in Form einer sich im Kampf aufbäumenden Assel und erzählte mir ein Teil ihrer Geschichte und wie er in ihren Besitz kam. Erschöpft bat er mich nun zu gehen, damit er sich ausruhen könnte. Langsam schloss er seine Augen...und reagierte viel zu spät, als ich ihm das Kissen mit aller Kraft auf sein hässliches Gesicht drückte. Seine Hände versuchten nach mir zu greifen, während ich mein Knie auf den Brustkorb setzte, um auch das letzte Quäntchen Luft aus seinen Lugen zu pressen. Ich schlug diese Hände, die mir über Jahre so viel Leid zugefügt hatten beiläufig beiseite und drückte um so stärker zu. Viel zu schnell erschlafften seine Bewegungen. Hah! Wo war nun seine Konzentration gewesen um mich mit einem Zauber auszuschalten. Ein saurer Geruch stieg mir in die Nase, als ich merkte, dass sich die Blase meines Vaters während seiner letzten Sekunden entleert hatte. Fast hätte ich gelacht. Mein ach so mächtiger Vater, vor dem ich einen Großteil meines Lebens in Angst und Schrecken gelebt hatte, hatte ich eingenässt wie ein wimmernder Säugling, während ich ihn erstickt hatte wie den lästigen Welpen eines räudigen Straßenköters. Schnell aber gründlich und mit einer inneren Befriedigung richtete ich alles wieder her und verbarg so meine erlösende Tat. Der Schrecken meiner Mutter war nur kurz und auch die Trauer war schnell verflogen. Was für eine Heuchlerin. Aber bei so einem Mann konnte ich sie voll und ganz verstehen.

Die nächsten Jahre nahmen wieder ihren gewohnten Verlauf: den Tag über arbeiten und des nachts meine Fähigkeiten schulen. Nebenbei lernte ich den Troll Da'lan und die Menschenfrau Solvein kennen, von denen ich ahnte, dass mehr an ihnen war, als sie zu zeigen bereit waren. Und nebenbei wartete ich auf den Tag, an dem ich aus diesem Kaer ausbrechen würde, um mich neuen, höheren Aufgaben zu zuwenden. Und dieser Tag kam. Ein Besucher aus der Außenwelt war in das Kaer gekommen. Ad'aran würde mein neues Werkzeug werden um diesem Gefängnis endgültig zu entkommen... Und dann dankt den Passionen, wenn ihr mir nie begegnet werdet, um meinen Zorn zu wecken...Meine Rachsucht kennt keine Grenzen...

Tagebuch des ersten Übermenschen


Sehr schön geschrieben. Das bringt natürlich richtig viel Licht in des Mysterium Ifriitas :-) --TheWho





letzte Änderung 16-Okt-2008 19:09:36 MESZ von Lorwig.



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