Anmeldung



- search -
Edit...

JSPWiki v2.2.28
 
Die Geschehnisse Um Ohn3.2

Autor: Daniel


A

uf der Reise üben Finn, Terp und ich unsere Rollen, denn schließlich wäre ein Fehler unser Tod. Ansonsten verläuft der Flug unspektakulär (Zumindest im Gegensatz zu dem, was wir sonst so für Geschichten von Teack gewohnt sind).
Bald sehen wir die auf vier Säulen aufgebämte Stadt Himmelsspitze. Darunter liegt Vivane. Ein wirklich beeindruckender Anblick. Als ich mir denke : "Diese Theraner müssen verdammt viel Geld haben!" ist mir noch nicht klar, wie die Theraner an dieses Geld herankommen. Hätte ich es gewusst, wäre ich sofort nach Burg 13 zurückgeflogen.

Wir fliegen auf die Stadt zu, als uns zwei kleine, sehr schnelle ein-Mann-Luftschiffe entgegenkommen, neben uns herfliegen und uns zum Hafen führen. Teack landet. Alle Passagiere müssen von Bord gehen und werden kontrolliert. Während Teack mit dem Aufseher redet, müssen wir anderen der Reihe nach an einen kleinen Tisch, an dem ein Theranischer Offizier sitzt. Als ich an der Reihe bin, werden die Fragen gestellt mit denen wir gerechnet haben. Ich beantworte alles meiner Rolle entsprechend. Jegliche Art von Waffen muss auf dem Schiff bleiben. Das haben wir zwar nicht erwartet, aber es ist auch kein großes Drama.

Als die Prozedur abgeschlossen ist, möchte ich gerade erleichtert vom Kontrolltisch wegtreten, da fängt der Wahnsinn an, mit dem keiner von uns auch nur ansatzweise gerechnet hat.

"Das macht dann fünf Prozent."

"Fünf Prozent von was?"

"Dem Silber, dass ihr dabei habt."

"Und wofür sind diese fünf Prozent?"

"Allgemeine Eintrittssteuer."

Nagut. Ich drücke also fünf Prozent des Silbers, das ich bei mir trage ab. "Ist ja auch kein Weltuntergang." denke ich mir. Ich will gerade weitergehen, da spricht mich die selbe Stimme erneut an.

"Achja ihr könnt hier mit Münzen aus Barsaive nichts kaufen. Unten in Vivane ist eine Wechselstube."

Ich denke kurz darüber nach.

"Und was macht ihr dann jetzt mit unseren barsaivischen Münzen?"

Keine Antwort. Er kümmert sich bereits um das nächste arme Schwein, das er ausnehmen wird. Egal. Hier dürfen wir sowieso keinen Ärger anfangen. Wir betreten die Stadt Himmelsspitze.

Da wir noch nicht so recht wissen, wo wir hin sollen, gehen wir erst einmal zu einem Aufzug an einer der Säulen, mit dem Ziel unten unser Geld umzutauschen. Am Fahrstuhl angekommen möchten wir gerade einsteigen, da hält uns ein Portier auf.

"Entschuldigt bitte, aber die Fahrt mit dem Aufzug kostet zehn Silber."

Ich seufze leicht, aber gebe ihm die zehn Silber. Wir stellen uns in den Aufzug, die Tür schließt sich und er setzt sich in Bewegung. Seichte Musik bringt uns Entspannung und die schnelle Fahrt ein leichtes Gefühl der Schwerelosigkeit. Ein toller Ort!

Unten angekommen steigen wir beruhigt aus dem Fahrstuhl auf einen großen Marktplatz. Überall rufen Marktschreier so laut sie nur können, um auch den schwerhörigsten Kunden zu erreichen. Leute drängen sich aneinander. Die Luft ist muffig. Ständig belästigen mich irgendwelche Händler, die mir ihre schäbigen Putzlappen um den Hals hängen und mir als Tücher verkaufen wollen. Mir werden allerhand tote Tiere unter die Nase gehalten, um mich von der Qualität dieser tollen Ware zu überzeugen. Total ätzend hier!

Wir kämpfen uns mühsam durch dieses Getümmel und erreichen den Rand des Marktplatzes. Dort sehen wir ein Paar Sklavenhändler, diverse Waffengeschäfte und die Wechselstube. Freudig betrete ich diese, denn mit dem theranischen Silber werden wir theranische Waren kaufen können und hier gibt es echt abgefahrenes Zeug.

Etwa 15 Minuten später und weitaus weniger freudig verlassen wir die Wechselstube wieder. Zwar haben wir unser Silber in die theranische Währung eingetauscht, doch die Wechselgebühr von zwei Prozent hat meine Laune etwas betrübt. Hinzu kommt, dass uns jetzt schon wieder die irren Händler vom Marktplatz gierend anstarren wie eine Raubkatze, die darauf wartet, dass sich ihre Beute nur einen Schritt zu weit aus dem Versteck wagt.

Noch bevor wir den ersten Schritt auf diesem Pfad des Stresses gehen können, hält Terp Finn und mich auf. Er ist auf eine Zwergensklavin aufmerksam geworden, die von ihrem Sklaventreiber heftig geschlagen wird. Kurzerhand beschließt er sie zu befreien. Zum Glück ist er sich unserer Situation bewusst und schneidet den Sklaventreiber nicht in kleine, mundgerechte Häppchen, wie er es in Barsaive getan hätte, sondern kauft die Sklavin einfach frei. 500 Silber. Ein Namensgeberleben ist hier nicht viel wert.

Wir möchten die Zwergin auf unser Schiff bringen, ihr die Situation erklären und sie darauf vorbereiten, dass sie in Barsaive frei sein wird. Also auf durch die Verkäufermeute. Sie stürmen auf uns zu und wir versuchen uns verbal zu wehren:
"Was? Nein ich will keine Perlenkette kaufen!"
"Hey! Nimm das Huhn aus meinem Gesicht! Mir ist egal ob es glücklich gestorben ist!"
"Ich will das stinkende Parfum nicht! Aber Danke, dass du mich schonmal damit eingesprüht hast!"
"Warum sollte ich einen Dolch mit eingebauter Sonnenuhr für 700 Silber kaufen wollen?"
"Aaaaaaah!!!"

Ich hasse diesen Marktplatz! Der Fahrstuhl ist in greifbarer Nähe, doch bevor wir in die Obhut des Transportmittels flüchten können, bemerken wir, dass wir oben wohl nur die Hinfahrt bezahlt haben. Zehn Silber ärmer, aber eingelullt von der leichten Musik des Fahrstuhls beruhigen sich unsere Gemüter. Ich mag diesen Aufzug einfach!

Wir gehen zurück zu unserem Schiff. Der Tisch des Offiziers steht immernoch vor der Bucht, in der wir gelandet sind. Ich nicke ihm zum Gruß zu und gehe an ihm vorbei. Er nickt auch, doch nicht zu mir, sondern zu den Wachen. Diese versperren uns den weiteren Weg.

"Habt ihr nicht etwas vergessen?" werden wir gefragt.

"Was meint ihr?"

"Na die allgemeine Ausfuhrsteuer."

Ich lache verschmitzt.

"Fünf Prozent eures Silbers und 20 Prozent von den Waren die ihr gekauft habt."

Mein Lachen verstummt. Der meint das ernst! Fassungslos zahle ich den gewünschten Betrag. Die sind hier ja wohl völlig irre!

Wir bleiben keine Stunde auf dem Schiff. Terp hat die Zwergin eingeweiht und sie ist ihm sehr dankbar. Wir machen uns wieder auf den Weg in die Stadt. Schließlich sind wir nicht zum Spaß hier. Als wir die Landebucht verlassen wollen, wird mir bewusst, wie wenig wir hier zum Spaß sind.

Der Offizier grinst uns frech an und ich kann mir denken was jetzt kommt. Diese miesen Schweine! Schon wieder fünf Prozent! Und ich hätte eigentlich garnicht auf das Schiff gemusst. Ruhig Zeck! Denk daran, du darfst hier kein großes Aufsehen erregen.

Wir sehen und hören uns ein wenig in der Stadt um, aber niemand kann uns etwas genaueres sagen. Da es schon Abend ist, suchen wir uns eine Gaststätte. Die Preise in Himmelsspitze sind astronomisch hoch. Deswegen werden wir nach Vivane runterfahren und dort übernachten. Der Portier am Fahrstuhl erkennt seine zahlende Kundschaft wieder, knöpft uns weitere zehn Silber ab und wir fahren mit unserer Quelle der Ruhe an diesem verrückten Ort nach unten. Die Musik massiert unsere gepeinigten Seelen. Die Tür öffnet sich. Willkommen im abendlichen Vivane.

Das gibt es ja nicht! Die Sonne ist schon untergegangen, doch immernoch sind die Händler am Werk. Noch haben sie uns nicht gesehen. Wenn wir es geschickt anstellen können wir vielleicht am Rande des Platzes ... Nein ... Zu spät. Eine der Marktschreierbestien hat uns bemerkt und stürzt sich beladen mit seinen stinkenden Lebensmitteln und einem grellen Kreischen auf uns. Instinktiv folgen ihm weitere. Getrieben von der unersättlichen Gier, ihre waren mit aller Gewalt an hilflose Reisende zu verkaufen. Wir werden geschubst und an uns wird herumgerissen, doch wir schaffen es den Platz zu verlassen.

Wir finden eine nette, kleine Gaststätte. Für barsaiver Verhältnisse ziemlich teuer, aber im Vergleich zu Himmelsspitze ein Schnäppchen! Der Abend und die Nacht verlaufen ruhig.

Der nächste Tag beginnt stressig, denn unser erster Weg führt über den Marktplatz. Ich hasse ihn! Immerhin passen die Händler ihre Produkte an. So werden mir keine toten Füchse mehr ins Gesicht geschlagen, sondern Speck. Kakaopulver, das mir entgegen gepustet wird verstopft meine Nase. Irgendjemand zerdrückt aus Versehen ein Ei auf meiner Kleidung. Ach mit so einem ausgewogenen 'Frühstück' lässt sich der Tag gut angehen!

Eine zehn Silber fahrt mit dem Aufzug beruhigt mein Gemüt. Ich sehe zu Terp. Seit wir hier sind, sehe ich immer öfter bei ihm auf der Stirn eine zornige Krampfader. Zum Glück konnte er sich bisher beherrschen, denn wenn er es nicht mehr kann wird es hässlich. Der Fahrstuhl lässt diese Krampfader jede Fahrt ein wenig schrumpfen. Ah ich mag diesen Fahrstuhl wirklich!

Den Tag über finden wir nicht viel heraus. Zumindest nichts über die Auktion. Über theranische Steuern allerdings lernen wir viel. Als wir zwischendurch zum Schiff müssen, versucht Terp einen kleinen Trick. Er bleibt vor der Bucht stehen und wirft seinen Geldbeutel über den Zaun in Richtung Schiff. Keine der Wachen sagt einen Ton. Etwas neidisch, dass ich zu vereilig die Bucht betreten habe, werde ich wieder fünf Prozent meines wirklich sehr dezimierten Vermögens ab. Terp wird beim Betreten der Bucht von den Wachen aufgehalten und muss 20 Prozent Hafen-Wurfsteuern zahlen. Ein einziges Irrenhaus ist diese Stadt!

Beim Verlassen des Schiffes wieder das gleiche Spiel. Wir werden enorm viel Silber los und ich verliere zusätzlich noch ein wenig meines Verstandes. Irre! Sie sind alle irre hier! Ich kichere leicht. Terp und Finn sehen mich verdutzt an. Ich räuspere mich und gehe weiter. Im weiteren Verlauf des Tages besuchen wir ein Paar Händler, Finn setzt sich irgendwo in der Stadt ab, um etwas herauszufinden und Terp und ich beauftragen einen Wirt sich etwas umzuhören. Tschüss 100 Silber! War schön mit euch!

Am Abend gönnen wir uns noch eine zehn Silber Fahrt nach Vivane. Nachdem wir den Obolus an den 'Fährmann' des Fahrstuhls entrichtet, die Musik genossen und den Aufzug wieder verlassen haben, spricht uns der Portier unten an.

"Wenn die Herrschaften so oft den Fahrstuhl benutzen, würde es sich eventuell lohnen ein Tagesticket für 25 Silber zu kaufen."

Was? WAS? WAS? Ich hasse, hasse HASSE diesen Ort!

Wir verbringen die Nacht in unserer teuren Gaststätte. Natürlich, nachdem uns die Marktschreier ein weiteres mal noch weiter in den Wahnsinn getrieben haben.

Der Schlaf bringt keine Erholung. Die Gewissheit, morgen wieder durch dieses verrückte, surrealistische, theranische Bauwerk wandeln zu müssen lässt einem einfach keine Ruhe.

Unweigerlich bricht der nächste morgen an. Wir kaufen beim Portier ein Tagesticket für 25 Silber. Natürlich erst nachdem er mein Silber und ich mein Ticket habe sagt der Typ zu mir:

"Ihr seid schon den dritten Tag hier nicht wahr? Ihr hättet das Wochenticket für 75 Silber kaufen sollen."

Nein. Nein. Ich werde ihn jetzt nicht anschreien. Die sanfte Musik des Fahrstuhls zieht mich an wie eine Motte, die in der tiefsten Schwärze der Nacht von einer einzigen Laterne angelockt wird.

Doch heute gibt es auch gute Nachrichten. Der beauftragte Wirt hat etwas heruasgefunden. Die Auktion findet in einer Lagerhalle in einem der reichen Viertel in Himmelsspitze statt. Schon heute Abend. Ich danke den Passionen dafür. Länger halte ich es hier nicht mehr aus.

Als wir glücklich das Wirtshaus verlassen kommt uns Finn entgegen.

"Hey Leute! Ich habe herausgefunden wo die Auktion stattfindet."

Na wenn es sich da nicht gelohnt hat den Wirt zu bezahlen, damit wir es ein Paar Sekunden früher wussten.

Ich habe eine Theorie. Das ist alles so eine Art Test. Die Theraner wollen verkleidete Adepten aufspüren, indem sie sie völlig irre machen. Als ich mich umsehe, habe ich das Gefühl, beobachtet zu werden. Die Wachen da tuscheln. Sie wissen es! Bei den Passionen wir sind geliefert! Das ist das Ende! Wir sind verloren im Land der völlig Verstandlosen!

Als wüsste er, was ich denke, knallt Terp mir eine und ich komme zur Besinnung. Er hat ein Gespür dafür, wenn man etwas aufs Maul braucht.

Wir kommen an das Tor des Viertels. Es gibt hier viele große Anwesen, prächtige Bäume, Brunnen und einen Tisch an dem ein theranischer Offizier sitzt.

"Guten Abend. Für diesen Bereich von Himmelsspitze müsst ihr Eintrittssteuern zahlen. 20 Silber."

AHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA. Das Wort Steuern wirbelt in meinem Kopf herum. Ich sehe es vor mir geschrieben in riesigen Buchstaben. Es lacht mich aus, verwandelt sich in Silber und verschwindet vor meinen Augen. Ich sehe mich selbst verarmt irgendwo in einer schäbigen Gasse liegen. Ich wohne in einem Karton und trage ein T-Shirt auf dem steht "Ich habe Urlaub in Himmelsspitze gemacht".

Als ich diesen Blackout überstanden habe, befinden Terp, Finn und ich uns vor einer Lagerhalle. Am Hintereingang hält Finn die drei Eintrittskarten aus Märkteburg an eine kleine Scheibe neben der Tür. Kurz darauf wird diese geöffnet. Wir werden durch mehrere Flure zu einem Luftschiff geleitet, dass geschickt hier in einer Häuserbucht gelandet ist. Nicht gut! Das schränkt unsere Fluchtmöglichkeiten im Falle einer Enttarnung enorm ein.

Auf dem Luftschiff werden wir in einen großen Saal gebracht, der bereits gefüllt mit Namensgebern ist. Ich erkenne das Oberhaupt des Rattennestes, wie er sich auf eine kleine Bühne stellt.

"Sehr gut! Dann sind ja alle da. Also kann die Auktion beginnen."

Ich merke wie sich das Luftschiff langsam erhebt und in Bewegung setzt.

Die Geschehnisse um Ohn 1
Die Geschehnisse um Ohn 2
Die Geschehnisse um Ohn 3
Die Geschehnisse um Ohn 3.1
Die Geschehnisse um Ohn 3.2
Die Geschehnisse um Ohn 3.3





letzte Änderung 28-Sep-2009 20:51:44 MESZ von Daniel.



Earthdawn (R) ist ein eingetragenes Warenzeichen der FASA Corporation. Barsaive (TM) ist ein Warenzeichen der FASA Corporation. Copyright (c) 2015 by FASA Corporation. Copyright der deutschen Ausgabe (c) 2015 by Ulisses Spiele GmbH, Waldems. www.ulisses-spiele.de. Diese Webseite unterliegt keiner Abnahme oder Genehmigung durch Ulisses Spiele oder FASA.