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Im Nebel Teil4

W

ar ja klar, dass das kommen musste! War ja klar, dass ausgerechnet wir mal wieder über einen dämonischen Diener stolpern mussten und promt keine andere Wahl hatten, als dessen Herrn, einen mächtigeren Dämon, zu eliminieren!
Ja, uns war klar, dass dies unsere Aufgabe als Adepten war, aber das bedeutete nicht, dass wir große Begeisterung an den Tag legten. Nur zu gut erinnerten zumindest Asak und ich uns an unsere letzte Begegnung mit einem Dämonen - und diese Sache war noch immer nicht vollkommen geklärt. Asaks Worte "Ich mach das Ding platt!" klangen mir noch immer im Ohr.
Doch Geldar liess uns keine andere Wahl. Zeit, uns ein wenig auszuruhen, blieb uns nicht. Wir konnten nur noch ein paar Fackeln und Ölflaschen aus ihrem Haus holen, dann flitzte sie mit einem Tempo davon, das ihr Alter Lügen strafte! Wir vier hatten Mühe, mit ihr Schritt zu halten, doch immerhin konnte sie uns zeigen, wo wir den Eingang zu Kaer Finsten finden konnten.
"Dort müsst ihr hinunter, doch ihr braucht einen Schlüssel. Aber keine Bange, ihr habt ihn bereits bei euch!", sagte sie. "Und ihr solltet euch beeilen, euch bleibt nicht mehr viel Zeit! Das Schicksal dieser Welt liegt nun allein in euren Händen!" Mit einem Kichern verschwand sie wieselflink im Unterholz, und wir standen da in der Landschaft wie bestellt und nicht abgeholt.
Habe ich schon mal erwähnt, wie sehr wir Sätze wie "Das Schicksal dieser Welt liegt in euren Händen" verabscheuten? Nicht gerade heldenhaft, mögt Ihr, der Leser nun denken, doch so sah es nun mal aus. Der Kampf gegen Dämonen war stets eine heikle Sache, und ist es noch immer.
Nun, wie auch immer. Wir nahmen allen Mut, den wir finden konnten (was nach den Ereignissen der letzten Tage nicht mehr sonderlich viel war...), zusammen und machten uns an den Abstieg durch eine Bachrinne. Schliesslich standen wir dann vor dem Eingang des Kaers und begutachteten das Schlüsselloch. Wir waren und ziemlich sicher, dass wir nichts dabei hatten, was auch nur annähernd die passende Form gehabt hätte.
"Ähm, Kiwa, könnte ich wohl noch mal diesen Anhänger haben? Den mit den zwei Auren?" fragte Asak.
Kiwa sah den Troll ein wenig verwirrt an, reichte ihm jedoch den Anhänger. Ich erkannte, dass Asak einen Faden zu diesem Anhänger wob, und schliesslich meinte er erstaunt: "Könnt ihr's sehen? Das ist nciht seine reale Form!"
Einmal darauf aufmerksam gemacht, gelang es von den übrigen Gefährten nur mir, die Illusion nun ebenfalls zu durchbrechen. Die wahre Form war eine emporgereckte Hand, die eine schwarze Perle hielt. Und in dieser Form passte der Anhänger zum Schloss wie die Faust aufs Auge.
Ein letztes Mal sahen wir uns an, atmeten noch einmal tief durch, dann zogen wir unsere Waffen, und Asak öffnete uns den Eingang.

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orsichtig schlichen wir vorwärts, immer auf Fallen achtend, doch wir entdeckten keine. Dafür aber wurden wir von einer Falle bemerkt... Ein Summen, erst nur ganz leise, jedoch sehr schnell lauter werdend ertönte, dann raste ein Flammenball auf uns zu. Ein Wächter!
Angesengt flitzten wir zurück Richtung Eingang, fort aus der Reichweite, wo sich gerade ein zweiter Feuerball entwickelte und uns tatsächlich noch erwischte. Fluchend löschten wir erst einmal die mehr oder weniger kleinen Brandherde an Ausrüstung und Kleidung.
Dann trat Asak vor. Da er ja nun wusste, wo die Falle war, wollte er versuchen, sie zu entschärfen. Ich konnte nicht sehen, was er da tat, doch als er in den Ring trat, geschah nichts, also folgten wir ihm - und wurden erneut gut geröstet! Offenbar hatte diese Falle Ladehemmungen gehabt...
Und die Neugier liess Asak, als er die Tür zu einem kleinen Raum öffnete, einen ledernen Beutel anstoßen. Zumindest dachte Asak, dass es ein solcher wäre, doch es war ein Krilwurm. Eigentlich nicht nur einer... Kiwa zerrte Asak zurück und knallte die Tür zu, hinter der nun das aufgeregte Schwirren ledriger Schwingen zu hören war.
In sämtlichen Räumen, in die wir hinein schauten, war nichts weiter als als die vermoderten Überreste von ehemaligen Möbeln zu finden. Doch dann machte der Gang, dem wir folgten, einen Knick nach rechts, und in der Ecke stand die Statue eines Wesens, das halb T'Skrang, halb Mensch zu sein Schien und mit übel aussehenden Schwertern bewaffnet war. Da wir sofort eine Falle vermuteten, bewegten wir uns besonders behutsam und kamen tatsächlich unbeschadet daran vorbei.
Wir folgten dem Gang noch ein Weilchen, dann öffnete er sich in eine Halle, deren Decke nicht mehr zu sehen war. In der Mitte stand ein Brunnen, in dem eine dunkle, zähflüssige Masse klebte. Ausserdem zierte den Brunnen eine große, emporgereckte Hand, die eine schwarze Perle hielt. Offenbar waren wir am Ziel, nur wo war der Dämon?
Wenn ich ehrlich sein soll: ich wollte es zu jenem Zeitpunkt nicht wirklich wissen, da meine Kräfte noch nicht sonderlich stark entwickelt waren. Auch an Zaubern konnte ich nur wenige in die Waagschale werfen. Und das war uns allen klar. Doch wer A sagt...
Da ich vom Suchen nach Fallen sowie Anflügen von Astralsicht erschöpft war, beschloss ich, einen Erholungstrank zu mir zu nehmen. Ich wollte möglichst bei vollen Kräften sein, wenn wir diesem Gegner gegenüber traten. Und während ich den Trank einnahm, entdeckte Kiwa eine Gestalt, die etwa so groß wie Asak, aber wesentlich schlanker gebaut war. Sie hatte den Dämon gefunden!
"Mein Diener hat mich vor euch gewarnt, Sterbliche, doch hier kommt ihr nicht lebend wieder hinaus!" Heiseres Gelächter erklang.
Dann ging alles sehr schnell. Vierna griff ihn an, doch er schleuderte sie hne jede Anstrangung einfach beiseite. Es sah aus, als hätte er nur eine lästige Fliege verscheuchen wollen. Kiwa erhielt einen heftigen Schlag ins Gesicht, der sie an eine der Wände schleuderte, wo sie bewusstlos liegen blieb. Asak schoss und traf auch, doch der Dämon zeigte sich nicht sonderlich beeindruckt. Mit einer schweren Axt, wie Henker sie benutzen, hieb er zu und traf Asak in der Schulter.
Ich selbst wob bereits die notwendigen Fäden meines Zaubers, doch der Dämon kam mir zuvor und wirkte selbst einen. Und der traf mich mit voller Wucht. Die schmerzen waren unbeschreiblich! Ich ging zu Boden, wand mich ein paar Augenblicke, dann wurde ich bewusstlos.

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ie Situation war... Nun, wie das halt so ist, wenn innerhalb von Sekunden die ganze Gruppe von einem Dämon schwer lädiert beziehungsweise ausgeschaltet wird.
Während ich bewusstlos war, schien ich in einem mir bekannten Raum zu stehen / schweben (?). Es war vollkommen dunkel, und nur ein schmaler silberner Streifen Licht war zu sehen. Und, wie konnte es auch anders sein..., ich hörte wieder die mir bekannte Stimme im Kopf, die mir Hilfe versprach. Ich lehnte ab, doch mit leichtem Entsetzen merkte ich, dass ich da längst nicht mehr so überzeugt von war...
Ich bekam nicht mit, wie Vierna schwer verwundet wurde und einen Großteil eines Armes verlor. Ich bekam nicht mit, wie Kiwa nicht verhindern konnte, dass sich der Dämon Viernas reglose Gestalt schnappte, um sie über dem Brunnen zu opfern. Ich bekam auch nicht mit, wie sich Asak einen Schnitt auf dem Handrücken zufügte.
Deine Freunde sterben, kleiner Geisterbeschwörer, sagte die mir vertraute Stimme in meinem Kopf. Sieh selbst! Mit einem Mal konnte ich sehen, was geschah, und ich wusste plötzlich mit unumstößlicher Sicherheit, dass dies keine Illusion war. Meine Freunde waren tatsächlich dem Tode nahe! Ich spürte, dass diese Stimme, die mich seit Urupa begleitete und immer wieder zwischendurch mal meldete, die Wahrheit sagte. Mein Verstand sagte mir, dass es keine gute Idee war, das Angebot des Dämons, dem wir nahe Urupa begegnet und knapp entwischt waren, anzunehmen. Doch mein Herz entschied anders.
Ich hasste mich dafür, doch nachdem ich meine Entscheidung getroffen hatte, war jeglicher Zweifel aus mir gewichen. Also gut, ich nehme das Angebot an...
Der Dämon aus Urupa gab mir einen Teil seiner Kraft, so dass ich wieder zu mir kam. Auch Asak hatte sich gerade aufgerappelt und sagte zu Kiwa: "Wenn das alles hier vorbei ist, musst du mich töten, Kiwa!" Damit stürmte er hinter dem Dämon her.
Ich war verblüfft, doch dann meinte ich nur: "Mich auch, Kiwa!" Ich folgte dem Troll, und gemeinsam machten wir uns daran, den Dämon aus Kaer Finsten zu vernichten.
Ich konnte hören, dass Kiwa uns beiden folgte, und mit Entsetzen sahen wir, wie der Dämon sich anschickte, Vierna über dem Brunnen zu opfern und zu diesem Zweck auch schon seine Henkersaxt gehoben hatte.
Mir war klar, dass ich mich beeilen musste. Ich griff beim Wirken meines Zaubers auf die Kraft zurück, die der Dämon aus Urupa mir zur Verfügung gestellt hatte und schaffte es damit tatsächlich, den hiesigen Dämon unter meine Kontrolle zu zwingen. Er musste die Axt fallen lassen, so dass sie keine Gefahr mehr darstellte. Und er war sauer!
Asak kannte mich und meine Zauber gut genug um zu wissen, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen war, legte einen Pfeil auf und schoss. Aus welchem Grund auch immer, der Troll traf nicht richtig.
Auch Kiwa blieb nicht untätig und schnappte sich die schwer verwundete T'Skrang, um sie aus dem Kaer zu schaffen. Um Asak und mich schien sie sich keine allzu großen Sorgen zu machen, wusste sie doch, dass wir beide schon oft genau dann die erforderlichen Leistungen erbracht hatten, wenn die Situation wirklich auf der Kippe stand. Sie vertraute unseren Fähigkeiten.

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etzt im Nachhinein muss ich sagen, dass sie das wohl besser nicht getan hätte. Von dem, was dann geschah, bekam sie nichts mehr mit. Und von Asak und mir wusste nur ich am Ende, was sich exakt zugetragen hatte.
Nachdem Kiwa mit Vierna verschwunden war, spannte Asak erneut seinen Bogen, sah mich an und sagte erschöpft: "Garath, ich kann nicht mehr! Nach diesem Schuss bist du auf dich allein gestellt."
Mir war verdammt flau im Magen, denn ich hatte nicht einen Zauber, mit dem ich diesem Dämon hier gewachsen war. Und im Umgang mit der Waffe... Nun ja, sagen wir's mal so: zumindest verletze ich mich mit dem Schwert nicht selbst!
Ich nickte Asak nur schweigend und verstehend zu, wohl wissend, was das bedeutete. Wir beide hofften, dass Kiwa mit Vierna entkommen und sich mit ihr in Sicherheit bringen konnte. Für uns beide, das war uns klar, gab es keine Rettung mehr. Doch wir beide akzeptierten dies.
Asak liess den Pfeil fliegen und brach dann bewusstlos zusammen. Er hatte sein letztes Bisschen Kraft verbraucht. Nun stand ich dem Dämon allein gegenüber und musste schlucken. Was dann kam, damit hatte ich nicht gerechnet.
Plötzlich erschien eine Art astrales Abbild des Dämons aus Urupa, und irgendetwas sagte er dem Finstener Dämon. Und wie dieses Abbild es schaffen konnte, dem Finstener Dämon den Kopf abzureissen, werde ich wohl nie vollkommen verstehen. Doch eines vermochte der Dämon aus Kaer Finsten noch: er bedachte mich noch einmal mit Schmerzen. Erschöpft, wie ich war, brachte ich nicht einmal mehr ein Wimmern zustande, sondern brach einfach bewusstlos zusammen.

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ch hörte eine Stimme.
"Garath? Garath! Verdammt, sag was!" Asaks Stimme. Erst nach ein paar Momenten begriff ich und schaffte es mühsam, meine Augen zu öffnen. Der Troll half mir, mich aufzusetzen und sah mich nervös an. "Alles in Ordnung mit dir?"
Ich nickte. "Glaub schon", murmelte ich schliesslich erschöpft. Dann kam die Erinnerung, und ich sah zum nunmehr zweiteiligen Kadaver des Dämons aus Kaer Finsten. Ich konnte ein Schaudern nicht unterdrücken.
"Warst du das?" fragte Asak. "Oder einer deiner Nebelgeister?"
Ich schüttelte den Kopf. "Nein, Asak. Das war unser spezieller Freund aus Urupa..." Erst da fiel mir der große Blutfleck auf Asaks Brust auf - und dass ich selbst ein ziemlich nasses Gefühl auf meiner Brust verspürte. Ich wollte da jetzt nicht drüber nachdenken.
"Verstehe", brummte Asak nur. "Sach ma, hast du etwa auch...?"
"Ja, genau wie du. Ich nehme an, dass du genauso gut wie ich weisst, dass das keine besonders weise Idee war."
"Yep." Ein wenig traurig sah er mich an. "Komm, lass uns nach Kiwa suchen. Wir können sie ja dann bitten, uns einen letzten Gefallen zu tun."
Mir gefiel der Gedanke nicht sonderlich, doch zumindest konnten wir uns sicher sein, dass sie uns einen schnellen und sauberen Tod zuteil werden lassen würde. Also machten wir uns auf.

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m Kaer selbst konnten wir sie und Vierna nicht finden, also bewegten wir uns Richtung Ausgang. Kurz hinter dem Wächter sahen wir eine große Blutlache, und ich sagte nur leise: "Vierna". Da T'Skrang und Ork jedoch nicht zu sehen waren, nahmen wir an, dass sie draussen sein würden und verliessen das Kaer.
Und tatsächlich fanden wir Kiwa dort. Kiwa. Doch wo war Vierna? Genau das fragte ich die Ork-Scout dann auch.
"Habt ihr sie nicht gefunden?" fragte die Ork zurück, und als sie unser Kopfschütteln sah, meinte sie: "Seltsam. Ich bin kurz hinter dem Wächter bewusstlos geworden, aber da war sie noch bei mir. Als ich wieder zu mir kam, war ich aber hier draussen und Vierna verschwunden. Habt ihr sie wirklich nicht gesehen?"
"Nee", brummte Asak. "Wir haben das Kaer relativ gründlich durchsucht, aber von Vierna keine Spur. Nur kurz hinter dem Wächter gab's 'ne große Blutlache."
"Bei der Menge Blut, die Vierna schon im Saal mit dem Brunnen verloren hat, und der Größe der Blutlache im Gang... Wer soviel Blut verliert, hat keine Überlebenschance. Zumindest nicht ohne Hilfe. Ich fürchte, wir müssen uns von ihr verabschieden."
"Sach ma, wat is'n dat für'n Fleck auf deinem Hemd?" fragte Asak und zeigte ungeniert drauf.
Kiwa sah uns beide ein wenig zögerlich an, doch dann öffnete sie ihr Hemd gerade weit genug, dass wir die Runen sehen konnten, die ihr in die Haut geritzt worden waren, und die nun so vor sich hin nässten.
Erst jetzt öffneten auch Asak und ich unsere Oberbekleidung ebenfalls weit genug, dass sich Kiwa überzeugen konnte, mit dem Problem nicht mehr allein zu sein. "Ist das gefährlich, Garath?" fragte die Ork nervös.
Ich erkannte, dass wir nun nicht nur vermutlich alle ein Dämonenmal hatten, sondern dass man uns das nun auch noch ansehen konnte, wenn wir nicht höllisch aufpassten! Mal gemütlich in ein Badehaus zu gehen konnten wir demnach gepflegt vergessen!
"Hm, sieht zwar übel aus, wird aber bestimmt wieder abheilen", sagte ich so ruhig wie möglich. Doch abheilen würde es erst, wenn wir den Dämon aus Urupa erledigten, aber das behielt ich vorerst für mich. Zumindest aber löste sich nun der Nebel auf und gab den Blick auf einen wolkenlosen, sonnigen Himmel frei.
Wir kamen überein, dass wir erst mal die Hexe Geldar aufsuchen wollten. Möglicherweise konnte sie uns ja schon mal mit einem Heil- oder Erholungstrank helfen. Also machten wir uns auf den Weg zu ihrer Hütte, doch dort wartete eine Überraschung auf uns.
"Ich meine, hier hätte mal 'ne Hütte gestanden", kommentierte ich trocken. In der Tat war die Hütte verschwunden. Nur der steinerne Altar stand noch an Ort und stelle. Was nun?
Da uns nichts besseres Einfliel, kehrten wir zum Dorf zurück. Aber als wir dort eintrafen, stand der Großteil des Dorfes in Flammen, der Rest war anderweitig zerstört worden. Fassungslos sahen wir uns um. Überall lagen Leichen, teilweise grausam verstümmelt. Wir begaben uns zur Kapelle jenes Questors, der uns geholfen hatte, doch auch ihn fanden wir mausetot vor. Zudem schien sich seine Haut vom restlichen Gewebe gelöst und um seinen Körper herumgewunden zu haben. Ich erkannte dies als eine Auswirkung eines Zaubers meiner Disziplin, eines Zaubers, der nur von hochrangigen Geisterbeschwörern gewirkt werden konnte. Oder halt von Dämonen.
In dem Moment vernahmen meine Ohren einen gellenden Schrei, der mir das Blut in den Adern gefrieren liess. "Da lebt noch einer!" rief ich, und Asak rannte mit mir los. Das Geschrei kam aus der Taverne, in der wir übernachtet hatten, und diese Taverne stand in Flammen. Das Geschrei kam aus dem oberen Stockwerk.
Während ich ein Stück Tuch gründlich mit Wasser tränkte und mir vor Mund und Nase band, holte Asak eine Leiter und stellte sie an. Ich kletterte hoch und sah durch das Fenster. Ich entdeckte, dass die Schreie von Elsarat Langbogen stammten, aber auch, dass ihm nicht mehr zu helfen war. Er war mit seinen eigenen Därmen umwickelt. Ich zog einen Wurfdolch, um seinem Leiden durch einen gezielten Wurf ein Ende zu bereiten, als plötzlich der Boden unter Elsarat nachgab. Der Scout verschwand mit einem Aufschrei in der Tiefe, der Schrei endete abrupt.
Doch als das geschah, kam eine Feuerwolke auf mich zugeschossen. Ohne lange zu fackeln (Was für eine Wortwahl...!) sprang ich von der Leiter, und nur die natürliche Geschicklichkeit meines Volkes verhinderte, dass ich mich bei diesem Sprung verletzte. Kiwa kam nun ebenfalls angerannt, und ich erklärte ihr und Asak, wer da geschrien hatte, und dass ihm eh nicht mehr zu helfen gewesen war.
Betroffen sahen wir uns an und beschlossen, in der ehemaligen Schmiede zu nächtigen und diesem Ort am Morgen den Rücken zu kehren. Ich lag noch lange wach. Ich begriff, dass im Prinzip Asak und ich Schuld am Tod der Bewohner von Finsten waren. Wir beide waren befleckt gewesen, wir beide hatten das Angebot des Dämons aus dem Kaer nahe Urupa angenommen. Nur dadurch hatte er die Distanz überwinden und hier wüten können. Das war mir in dem Moment klar geworden, als mir wieder das astrale Abbild eingefallen war, denn das bedeutete, dass der dazu gehörige Dämon in der Nähe sein musste. Ich hatte keine Ahnung, ob Asak begriff, wie groß unsere Schuld war, doch eines wusste ich genau: dafür musste er bezahlen! Oder mit Asaks Wortwahl: Wir machen das Ding platt!

(Es sollten noch mehrere Monate vergehen, bis wir uns endlich aufrafften, dem Dämon aus dem Kaer nahe Urupa das Handwerk zu legen. Immer wieder sollten wir Ausflüchte finden, doch schliesslich sollte der Tag X kommen, an dem unsere Entscheidung fiel, und wir uns zum Kampf gegen das Vieh bereit machten.)

A

m folgenden Morgen kehrten wir Finsten den Rücken, dem Dorf, das nun wahrlich ein finsterer Ort war.





letzte Änderung 21-Mai-2007 21:11:29 MESZ von unknown.



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