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Das Pfirsichproblem

I

n unserer bescheidenen Hütte war alles wie immer. Das Moos in der Ecke trocknete vor sich hin, das Stroh in der anderen Ecke war durch das getrocknete Blut schon hart wie Holz geworden und des Öfteren versammelten sich in der kleinen Bruchbude immer wieder mal drei komische Gesellen. Eigentlich recht amüsant, wie solch unterschiedliche Charaktere mit so verschiedenen Zielen, sich doch zusammen tun um gemeinsam den Alltag zu überwinden. Wobei man den Alltag als einen täglichen Kampf ums Überleben sehen muss, bei dem es mehr Zufall - oder sollte ich es eher Glück nennen - ist, dass man nicht ständig zusammengeschlagen oder ausgeraubt wird. Die finstere Umgebung liegt eigentlich in meiner Natur, doch sehe ich mich gezwungen manchen Namensgebern, die von noch einer viel finsteren Sorte sind als ich, ab und an zu zeigen warum ich sie wegen ihres fehlenden Schwanzes bemitleide. Selbst die belebteren Straßen wirken auf mich wie Gassen des Unglücks und schreien mir hinterher. Wie viele Augen sich mir bei jedem Gang durch die Straßen in den Rücken bohren kann ich nicht mehr mit meinen Fingern zählen. Zu viele! Doch leider lässt sich das nicht ändern. Oder vielleicht doch?
Androl wollte nach unserer Rückkehr gleich wieder gehen. Er meinte er habe noch etwas sehr wichtiges zu erledigen, was keinen Aufschub zulässt. Ich wusste bereits um was es sich dabei handelt. Zu leicht konnte ich ihn bereits jetzt schon durchschauen. Androl wollte in das andere Lager gehen, was auch immer er erhoffte dort zu bekommen. Mein Interesse war jedoch gering. Androl würde mir eh Früher oder Später den geheimen Ort zeigen, weil er auf meine Hilfe angewiesen war! Also legte ich mich zurück und dachte in Ruhe über meine Fähigkeiten nach. Bis dahin ist Androl bestimmt schon zurück und Xercis hat sich ausreichend erholt.
Dem war auch so. Als ich wieder die Augen aufschlug, schaute mich ein munterer Xercis an. Er riet mir sofort zum T’skrangturm zu gehen, da wohl bald das Treffen sein würde. Ich war mir der vergangenen Zeit noch nicht bewusst und folgte daher seinem Rat. T’krevek schmunzelte, als er mich in Empfang nahm. Er erzählte mir, dass es noch drei Stunden bis zum besagten Treffen sind, er es aber dennoch schön findet mich zu sehen. Wie ich es schon vermutet hatte, wurde ihm meine Begegnung mit dem Untoten zugetragen oder er hat es selbst beobachtet. Er lobte mich für meine Furchtlosigkeit gegenüber den Untoten und gleichzeitig meine gute Tat für einen Artgenossen. Ich dachte mir schon, dass ich durch sowas hier unten ein paar Kontakte oder Freundschaften schließen kann. Zumindest unter T’skrang.
Diesmal redete er nicht lange um den heißen Fisch, denn er war offensichtlich immer noch nicht bereit mit meiner Ausbildung zu beginnen. T’krevek erklärte mir, dass er wüsste welches Geheimnis Xercis mit sich herum trug. Er erzählte mir außerdem wieder von der Prophezeiung von der Mutter und den Träumen. Er habe das Gefühl, dass Xercis etwas ganz besonderes damit zu tun hat und bat mich deshalb auf ihn acht zu geben. Ich sollte Xercis beschützen, wenn nötig sogar mit meinem eigenen Leben. Ich muss zugeben, der alte T’skrang verlangt ziemlich viel von mir. Vor allem ich als Dieb, der von Natur aus misstrauisch allen gegenüber ist, soll jemanden mit meinem Leben beschützen. Naja, ich muss zugeben das Xercis etwas Besonderes ist. Ich habe es von Anfang an gewusst, wie eine Eingebung, ein Splitter in meinem Kopf. Vielleicht auch deswegen, weil Xercis hier unten nicht hingehört. Ich kann es einfach gerade nicht beschreiben. Tatsächlich fiel es mir aber gerade deshalb nicht schwer T’kreveks Wunsch nachzukommen.
Fast sofort nach dem Versprechen begannen wir mit der Ausbildung. T’krevek trug mir auf, von Händler gegenüber einen Pfirsich zu klauen. Im ersten Augenblick war ich geschockt. So lange wie ich hier unten schon nicht mehr in Häuser eingestiegen bin... Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern. Jedoch sausten mir, wie aus Reflex, tausende Fragen durch den Kopf. Fragen, auf die ich eine Antwort brauchte bevor ich die Aufgabe angehen konnte. Jedoch entließ mich mein Meister ohne viele Antworten aus dem Trum und freute sich schon auf das Treffen in zwei Stunden mit den anderen T’skrang. Erst jetzt dämmerte mir, dass ich den Auftrag bis dahin erfüllt haben sollte, da mir anschließend nur wenig Zeit zu Verfügung stand. Immerhin wollte T’krevek den Pfirsich heute Abend noch essen.
Meine Gedanken schweiften mehr um meine neue Aufgabe denn je. Ich musste mir das erst einmal durch den Kopf gegen lassen und schauen welche Risiken sich mir auftun werden. T’krevek meinte ich solle Xercis um jeden Preis beschützen und ihm zur Seite stehen. Dennoch findet er es gut, dass ich eigenständige Entscheidungen treffe und bedacht handle. Ich soll Xercis mit meinen Fähigkeiten zur Seite stehen und ihn beschützen. Das ist sein Wunsch an mich. Ich versprach es ihm. Nun besteht mein größtes Problem darin, dass ich weder weiß ob sich jemand in diesem Haus aufhält, noch wann die besagte Person zurück kommen könnte. Das löst in mir diesen Zweifel aus. Wie sollte ich ohne das Blut herausfinden, ob sich jemand im Haus aufhält? Solange ich nicht nachgucke, ist der Händler im Haus, aber auch gleichzeitig nicht. Ein wahres Pfirsichproblem!
Vielleicht ist es die Aufgabe, die zeigen soll, ob ich mich für ein höheres Ziel einfach opfere und Risiken eingehe, oder ob ich die Entscheidung treffe es nicht zu tun, da ich es für gefährlich, überstürzt und unüberlegt halte. Eines von Beiden wird es sein. Ich muss mich wohl für eine der Möglichkeiten entscheiden, denn leider fehlt mir hierfür die Nötige Kenntnis über meinen Meister, um darüber urteilen zu können welchen Zweck diese Aufgabe haben soll.
Ich wandelte etwas durch die Straßen und schaute mir die wenigen Leute an, die hier rumliefen. Leider verstand ich viele Gespräche der Orks, die mir begegneten, nicht. Bestimmt hätte ich von denen auch nichts Nützliches erfahren, wobei es garantiert schön wäre jede Fremdsprache der verschiedenen Rassen zu beherrschen, um geheime Unterhaltungen zu belauschen. So zog ich durch die Gassen und machte mir Gedanken, wie ich am besten herausbekommen könnte ob jemand in diesem Haus ist. Mir vielen ein paar ganz praktische Möglichkeiten ein, die sich mit etwas mehr Broten oder gutem Zungengeschick durchaus hätten einrichten lassen. Erstens hätte ich einen armen Schlucker mit etwas Brot dazu bringen können an der Tür für mich zu klopfen und ich hätte es aus der Ferne beobachten können. Zweitens hätte ich mich auch selber als Händler ausgeben und klopfen können. Das hätte zumindest den Vorteil gehabt, dass ich gleich hören können würde ob sich jemand im Haus bewegt, auch wenn niemand die Tür öffnete. Jedoch wäre mir diese Methode zu unsicher, da die dort wohnende Person auf diese Weise mein Gesicht gesehen hätte und die Tat so vielleicht auf mich zurück führt. Nein ich brauchte etwas originelleres, das ich selber machen könnte und außerdem zu meinem Stil passte. Mir ging eine Möglichkeit durch den Kopf den Schornstein zu blockieren und den Rauch so daran zu hindern aus dem Haus zu steigen. Das hätte den Kamin blockiert, was wiederum zu schlechter Atemluft innerhalb des Hauses geführt hätte. Das war mir allerdings doch nicht ganz geheuer, da ich auf den Dächern leicht von den Wachen gesehen werden konnte. Außerdem würde der viele Qualm die Aufmerksamkeit von anderen Namensgebern auf sich ziehen. Beides nicht unbedingt zuträglich für den Auftrag.
Ich entschied mich für meine alte einstudierte Variante des Betrunkenen. Einen Schluck Whiskey für den Geruch unter das Kinn geschmiert und einen Schluck in den Rachen, fertig war das Kostüm. Schwerfällig begann ich auf der Straße zu wanken und torkelte gegen die Tür des besagten Hauses; keine Reaktion. Ich gab komische Laute von mir, wie ein Besoffener eben und klatschte nochmals gegen die Tür. Kein Laut von drinnen. Nun trieb ich es ganz auf die Spitze und startete meinen letzten Schritt, um mir wirklich absolut sicher zu sein, dass niemand im Haus ist. Ich pisste gegen die Tür; keine Regung. Also wenn jetzt niemand kommt um mich zur Rechenschaft zu ziehen, wird wohl wirklich niemand zu Hause sein. Schnell beschwor ich einen Dietrich, der mir die Tür öffnete. Mit einem leisen langen Schritt stand ich im Haus und schloss die Tür hinter mir.
BEI DEN PASSIONEN!!! Was ist das? Ich traute meinen Augen kaum. Mir stockte der Atem und noch bevor ich nach Luft schnappen konnte sprach mich mein Gegenüber an. "Du hast aber lange gebraucht", setzte T’krevek mir mit einem schelmischen Grinsen entgegen. Es war für mich wie ein Schlag ins Gesicht IHN hier zu sehen. Wie, wie...? Ich dachte schon ich fange an zu spinnen und musste mich erst mal an der Tür abstützen. Ich gebe ja wirklich selten zu, dass jemand besser ist als ich, aber das war von T’krevek echt gekonnt! Damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet. Ich hoffe es warten nicht noch mehr solcher Überraschungen auf mich. T’krevek machte es sich auf einem der Stühle der Einrichtung bequem und erklärte mir die Lage. Er wollte sehen wie ich mich anstelle beim Durchsuchen des Zimmers und Umgehen der Fallen. Auf dem Tisch lag ein großer Edelstein. T’krevek erklärte es sei eine magische Falle, die sich erst aktiviert, wenn man den Stein über ein Feuer hält um ihn auf Risse zu untersuchen. Er meinte, ich dürfte alles was ich gebrauchen könnte mitnehmen, und stellte mir frei das Haus zu durchsuchen. Der Stein interessierte mich eher weniger. Da ich nichts für prunkvolle Dinge übrig habe sondern eher den Nutzen schätze, begab ich mich ohne Umschweife zu einer großen beschlagenen Truhe. Ich nahm schon an, dass diese von innen mit einer Falle gesichert war und gab mir beim Öffnen auch sehr viel Mühe, da mir immerhin mein Meister über die Schulter schaute. In der Truhe fand ich einige nützliche Dinge, unter anderem den Pfirsich und etwas Papier auf dem ich anfangen konnte mein Abenteuerbuch zu schreiben. Außerdem ließ ich eine Flasche Whiskey mitgehen. Den Pfirsich gab ich T’krevek sofort, damit hatte ich dann auch gleich die Bezahlung erbracht, meinte er. Nach getaner Arbeit verließ ich das Haus und machte mich erst einmal auf den Heimweg. Ich schätze, dass T’krevek erst einmal damit beschäftigt sein wird die Fallen, die ich ausgeschaltet habe wieder intakt zu setzen. Außerdem musste er ja noch das Haus wechseln.
Die kurze Zeit, die mir noch blieb bevor das T’skrangtreffen stattfand, setzte mir Xercis ziemlich zu. Er plapperte viel unverständliches, zusammenhangsloses Zeug. Ich entnahm aus den paar Brocken, die ich verstand, dass es sich um einen Namensgeber namens Lazarus handelte, der verschwunden ist, und Androl wollte diesen unbedingt finden. Androl vermutete ihn in der Ödnis, da Lazarus einen abgerissenen Zettel mit Symbolen hinterlassen hatte, die nach Androls Deutung in die Ödnis wiesen. Xercis und Androl waren sich über die Bedeutung des Zettels jedoch nicht einig. Xercis wollte, dass ich T’krevek dazu befrage und steckte ihn mir zu. Ich hatte ja keine Ahnung worum es eigentlich ging. Alle waren so aufgeregt und ich hatte wirklich Anderes im Kopf. Zum Beispiel meine Ausbildung und das Treffen, zu dem ich mich nun aufmachte. Die Situation wird sich sicherlich bald klären, hoffe ich.

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